Griechisch Metrik

Griechische Metrik: Silbentrennung

Silbentrennung (engl. syllabification)

 

Eine Silbe besteht aus einem Vokal oder Diphthong:

 

Vokale: α, ε, η, ι, ο, υ, ω

 Diphthonge: αι, ει, ηι=ῃ, οι, υι, ωι=ῳ, αυ, ευ, ηυ, ου, ωυ

 

Eine Silbe kann einen Konsonanten oder mehrere Konsonanten enthalten:

In jedem mehrsilbigen Wort gibt es Silbengrenzen:

 

ἀ|πό          λό|γος          παι|δεύ|ω          ἐ|πει|δή          Ὀ|δυσ|σεύς

 

Der Rhythmus vom Altgriechischen wird unabhängig von Wortakzent quantitierend durch den Wechsel von langen und kurzen Silben erzeugt, während der Rhythmus von modernen Sprachen durch Betonung der Silben erzeugt wird. Eine Silbe ist entweder für lang oder kurz zu halten.

 

Es gibt den Unterschied zwischen der Naturlänge und der Positionslänge.

ε und ο sind immer naturkurz. η und ω sind immer naturlang.

Die Tonlänge von α, ι, υ sind durch Buchstaben nicht fixiert.

Die Diphthonge sind immer lang (es gibt nur wenige Ausnahme).

 

 

In der Prosodie bzw. Metrik sind offene und geschlossene Silben zu unterscheiden.

Wenn eine Silbe mit einem Konsonanten beendet, dann ist sie geschlossen.

Wenn nicht, dann offen.

Eine offene Silbe mit naturlangem Vokal bzw. Diphthong ist immer lang.

Eine offene Silbe mit naturkurzem Vokal ist immer kurz.

Eine geschlossene Silbe wird unabhängig von der Tonlänge des Vokals metrisch lang. Aus einer geschlossenen Silbe ergibt sich immer eine lange Silbe. Das nennt man „Positionslänge[1]“. Geschlossene Silbe ist immer lang.

 

Die Doppelkonsonanten sind immer zu trennen:

συλ|λέγω          ἀγ|γέλω

 

ζ, ξ, ψ sind die Doppelkonsonanten, die durch einen einzigen Buchstabe bezeichnet werden. Daher sind sie bei der Silbentrennung immer zu trennen, nämlich wie:

 

ζ > δ|σ           ξ > κ|σ          ψ > π|σ

 

Bei der Silbentrennung gilt die Wortgrenze nicht zugleich als die Silbengrenze:

τὸν ἄνθρωπον  >  τὸ|νἄν|θρω|πον

 

 

Bei der Silbentrennung spielt der Hauchlaut überhaupt keine Rolle:

 

τίς οὗτος ποιητής ἐστι;   >  τί|ςοὗ|τος|ποι|η|τή|ςἐσ|τι;

 

θ und χ enthalten jeweils die Hauchlaute, nämlich wie τh, κh, aber bei der Silbentrennung werden sie immer wie τ(h), κ(h) behandelt:

 

τοὺς θεοὺς νομίζειν χρή.   >  τοὺς|θε|οὺς|νο|μίδ|σειν|χρή.

 

Sollte aber einem ablautenden Vokal ein anlautender Vokal folgen, dann ergibt sich ein Zusammenstoß der Vokale. Das nennt man Hiat bzw. Hiatus. Um Hiat zu meiden, ist häufig eine Behandlung nötig: Entweder wird der ablautende Vokal elidiert („Elision“); oder, falls der ablautende Vokal naturlang ist, dann wird es gekürzt („Hiatkürzung“)[2].

 

Ὅμηρος ὄνομά ἐστι   >  Ὅ|μη|ρο|ςὄ|νο|μ(ά)ἐστι

χρή ἐστι    >   χρε(ε)|εσ|τι

 

Die griechischen Verse enden immer mit einem ausklingenden Longum.

Das letzte Longum kann aber durch eine kurze Silbe gebildet werden, die durch die Pause am Versende (notiert durch ||) die Quantität einer Länge bekommt (wie: - ||).

Dieses Phänomen wird bezeichnet: „syllaba brevis in elemento longo“, abgekürzt „brevis in longo[3]. Diese Längung ist eigentlich von Anceps (x) zu unterscheiden.

 

Μῆνιν ἄειδε θεά, Πηληϊάδεω Ἀχιλῆος

Syllabifiziert:

Μῆ|νι|νἄ|ει|δε|θε|ά|Πη|λη|ϊ|ά|δεω|Ἀ|χι|λῆ|ος||

 

Zwei Besonderheiten im oben gegebenen Vers:

Die attische θεᾰ ist naturkurz, aber in der Epik gilt es als θεᾱ und auch θεή, nämlich naturlang.

-εω- ist als eine Silbe zusammengesetzt. Diese Zusammensetzung bzw. Zusammenziehung benachbarter Vokale heißt „Synizese“ (συνίζησις „das Zusammensitzen“)[4].

 

Das Konsonantencluster bzw. die Konsonantenverbindung β, γ, δ, θ, κ, π, τ, χ, φ mit λ, μ, ν, ρ kann ggf. nicht getrennt werden („muta cum liquida“) [5]:

πα|τρός   statt   πατ|ρός

 

Muta bzw. Plosive (β-π-φ, δ-τ-θ, γ-κ-χ) nennt man auch Augenblicks-, Spreng-, Verschlusslaut. Und Liquida (μ-ν, λ-ρ) Fließ-, Schmelzlaut.

 

Dagegen bis zu dieser Zeit gab es auch keine muta cum liquida bei βλ, γλ. Und es kommt niemals bei γμ, γν, δμ, δν vor, nämlich immer zu trennen wie γ|μ, γ|ν, δ|μ, δ|ν.

 

ν, ρ, ς am Wortende schließen ggf. eine Silbe, auch wenn ihm ein anlautender Vokal folgt, nämlich wie -νν, -ρρ, -σσ. Dieses Phänomen sind nur in den Epen, Elegien, Pindar und Bacchylides zu sehen, aber trotzdem nicht konsequent[6].

 

Ursprünglich vorhandener (Halb-)Konsonant ϝ (Digamma) ist zu berücksichtigen, obwohl es nicht schriftlich im homerischen Gedicht überliefert ist[7]:

 

μεγὰ ἔργον  >  με|γὰ|ϝέρ|γον

κατὰ ἄστυ >  κα|τὰ|ϝάς|τυ

 

Ἀτρείδης τε ἄναξ ἀνδρῶν καὶ δῖος Ἀχιλλεύς

Syllabifiziert mit rekonstruiertem ϝ:

Ἀτ|ρεί|δης|τε|ϝἄ|νακ|σἀν|δρῶν|καὶ|δῖ|ϝο|ςἈ|χιλ|λεύς||

 

Ferner über griechisches Digamma:

https://grlat.com/digamma/

 

Griechische Metrik: Eine Zusammenfassung;

https://grlat.com/griechische-metrik-zusammenfassung/

 

[1] Snell 65 f.

[2] Maas § 121, 129, 141; Snell 69; Korzeniewski 24-27; West 10 f; Kannicht 346.

[3] Maas, S. 35 (Nachtrag zu § 45 bzw. § 66); Korzeniewski 9; West 4 f ; Kannicht 356; als Gegensatz meint Snell „der 6. Daktylus des Hexameters ist katalektisch“ vgl. Snell 13.

[4] Korzeniewski; 25; West 12. Bei Maas und Snell fehlt offenbar dieser Terminus technicus.

[5] Maas § 124; Snell 66 f; Korzeniewski 21 f; West 16 f; Kannicht 345.

[6] West 16.

[7] KB I 1, 85-101.

広告

-Griechisch, Metrik

Copyright© Graecolatinus Griechische und Lateinische Grammatik , 2022 All Rights Reserved Powered by AFFINGER5.